- Project Runeberg -  Abenteuer in Tibet /
190

(1904) [MARC] Author: Sven Hedin - Tema: Exploration
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - 16. 5500 Meter über dem Meere

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190 Sechzehntes Kapitel.
dem Berge hinauf. Zwei große weiße Wölfe verfolgten uns eine
Strede weit, und Jolldasch, der über diese Frechheit jchlechter Laune
war, mußte angebunden werden; er wäre verloren gewejen, wenn er
nach feinem Willen auf die Sfegrimme hätte losstürmen dürfen. Am
Abend des zweiten Tages lagerten wir milde und jteifgefroren auf
einer Halde, auf der die letzten jämmerlichen Grashalme wuchjen.
Als das Lager fertig war — wir jehliefen auf solchen Ausflügen
unter proviorischen Filzzelten — meldete Aldat, daß ein wenig
höher am Abhange ein großer Yak graje, und bat, ihn erlegen zu
dürfen. Ich jah Aldat zu, wie er fabenartig in den Bodenvertiefungen
hinfchlich, um hinreichend nahe an das nichts Böses ahmende Tier
heranzufommen. Er verdanfte es dem jtarfen Gegenwinde, daß er
fih dem Yak auf dreißig Schritt nähern und die Flinte unbemerkt
auf die Gabel legen fonnte. Der Schuß frachte, der Yak jprang
empor, daß die Erde umberflog,- lief dann aber nur noch einige
Schritte, blieb ftehen, taumelte, werfuchte fich im Gleichgewicht zu
halten, jtürzte, erhob fich aber wieder und wiederholte diefe Bewe—
gungen mehrere Male, bis er schließlich kopfüber Hinfiel und Tiegen
blieb. Aldat lag noch immer regungslos wie eine Bildfäule hinter
jeiner Flinte, um nicht die Aufmerksamkeit und die Nachgier des
jterbenden Tieres zu weden.
Es war ein fünfzehnjähriger, großer, fetter Stier, dejjen präd)-
tige Fettmassen wir mit jcharfen Mefjern herausschnitten. Unjer Lager
befand fi auf einer Höhe von 5143 Meter. E3 ftrengte jehr an,
zu Fuß zum HYak hinaufzugehen; man fann immer nur wenige Schritte
hintereinander machen, das Herz klopft und droht zu zerjpringen und
man erjtidt beinahe vor Atemnot. Wir wurden mit der Arbeit vor
Dunkelwerden nicht mehr fertig, aber früh am nächiten Morgen ging
Aldat wieder zu jeinem Yak hinauf. Da wir nichts von ihm hörten,
Iihidte ich ihm Tscherdon nach. Er war erfranft umd lag neben jeinem
Opfer. Er taumelte herab mit Heftigem Kopfweh und Najenbfuten,
den deutlichen Symptomen der Bergfranfheit, an die wir gewöhnt
waren und die fich bald zu legen pflegte.

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