- Project Runeberg -  Abenteuer in Tibet /
251

(1904) [MARC] Author: Sven Hedin - Tema: Exploration
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - 19. In kritischen Lagen

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In kritischen Lagen. 251
lassen, meinen Befehle zu gehorchen. Mehrere Fischer aus Kum—
tschappgan bejuchten fie, und eine ganze Ansiedlung mit Schafherden,
Pferden und Kähnen entitand am Seeuferr. Zwölf Tage hindurd)
hatten fie ein idyllifches Leben geführt, gejagt, gefijcht und weite Tou—
ren gemacht, um uns zu fuchen. Eines fchönen Tages ftellte sich der
gute Chodai Kullu in ihrem Lager ein, und nun veränderte fich Die
Situation mit einem Schlage. In wenigen Minuten jtanden ihre
Pferde und ihr Gepäck bereit, und fie brachen unter Chodai Kullus
Führung auf, um uns aufzujuchen. Sie hatten sich direft nach unje-
rem erjten Lager am See begeben, als fie aber dort jahen, dab wir
schon aufgebrochen waren, folgten fie der Kamelspur in denjelben ver-
zweifelten Bogen, die wir gemacht hatten.
Seht suchten wir miteinander einen zum Lager geeigneten Platz
auf, denn wir Wüstenwanderer waren folofjal hungrig, und die Ret-
tungsgejellichaft hatte alle möglichen, guten Sachen in ihren Ledertafchen,
jogar Eier und Fische. Unterwegs-trafen wir Chodai Kullu mit den
Badpferden. Er saß auf einem Grasbüschel und weinte bitterlich —
jo überwältigte ihn die Erimnerung
an all die Schidjale, die er auf
feiner fünftägigen Suche nach der Hilfserpedition erlitten hatte. Er
war unaufhörlich drauflos gegangen und fchließlich in der Verzweif—
[ung durch) ganze Seen gejchwonmen. Am dritten Tage saß er müde
und niedergejchlagen am Ufer eines von diejen, als eine Schar Wild-
enten über jeinem Kopfe hinsauste. Wie dur) ein Wunder fiel eine
Nildente mit gebrochenen oder lahm gewordenem Flügel unmittel-
bar vor feinen Füßen nieder. Er ftürzte fich auf fie und verzehrte
fie jo, wie fie war, bis auf die Knochen. Durch dieje Mahlzeit ge-
ftärft, war er imftande gewejen, noch zwei Tage weiter zu marjchieren,
und hatte jchließlich die Unjeren gefunden.
Chodai Kullu erhielt für jeinen bewiejenen Mut und jeine Ent-
ichlofjenheit eine Ertrabelohnung in Silber. Er verficherte ruhig, daß
er die ganze Zeit über fejt entjchloffen gewejen jet, nicht eher zurüc-
zufehren, als bis er meinen Auftrag ausgerichtet, jollte es ihm aud)
das Leben foiten. Seitdem er das wilde Kamel getötet hatte, war

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