- Project Runeberg -  Brage. Årsskrift utgiven av Föreningen Brage / Årgång 3 (1908) /
150

(1907)
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— 150 —

selten Notenkenntnis besassen. So blieb in den Melodien
das Schöne immer das Richtige. Und so finden wir es
erklärlich, wie der verschiedenartige musikalische Geschmack in
verschiedenen Gegenden umgestaltend auf die Melodien
wirken konnte.

Wenn wir das Volkslied näher betrachten und uns
klarzumachen suchen, welche Rolle es im Leben des Volkes
spielte und wie es seine Lebensfähigkeit Jahrhunderte hindurch
bewahrte, dann müssen wir zuerst auf die allgemeinen
Eigenschaften jener Dichtung einen Blick werfen1). — Eine
unbeschreibliche Liebe zum Gesang und Hingabe an seine
Macht ist es, was überall impulsiv hervortritt. In den älteren
Liedern hören wir oft von der wunderbaren Macht der
Harfenklänge, und in einem neueren Liede singt der Liebende:

Und wenn dein Lieb dir die Treue bricht
Und Schmerz und Gram dich umlauem,

So oft geschiehts, drum verzage nicht,

Vergiss im Gesang dein Trauern.

Betreffs des Inhalts müssen wir einen bestimmten
Unterschied machen zwischen dem älteren und dem neuen
Volksliede. Die älteren, die Balladen und Heldenlieder, sind
erzählender Art. Hier sind es aus der Wirklichkeit und dem
Leben gegriffene Begebenheiten sowie sagenhafte Wesen, die
den dichterischen Stoff abgeben. Nach der älteren heidnischen
Auffassung war noch die äussere Handlung die Hauptsache.
Eine Wiederspiegelung der Unendlichkeit und der
wechselnden Regung des Seelenlebens tritt hier zurück, um der
sinnlichen Klarheit und Formvollendung zu weichen. Der
Einfluss des Christentums bewirkte das Überwiegen des geistigen
Moments über das Sinnliche, bedingte die höhere
Bedeutung des Inhalts neben der Form. Immer mehr verliert die
Handlung an Bedeutung und wird schliesslich nur zu einer

J) Eine eingehende Darstellung dieser Tatsachen ist die höchst
verdienstvolle Arbeit Otto Böckels „Psychologie der Volksdichtung“. Lpz.
1906. B. G. Teubner.

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