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EPISTLER 405
ist dieser, dasz nichts ausgeführt ist, der gröszte hingegen, dasz
Wahrheiten zuweilen lächerlich gemacht werden«. Ich weisz
nicht, ob man in solchen Briefen, wie diese Holbergischen sind,
nach einer artigen Wahl fragen darf? Ich glaube, nein! der Ver-
fasser schrieb seine Gedanken, wie sie ihm einfielen, ohne eine
besondere Wahl auf, er bemerkte zuweilen was er gelesen, und
was er
dabey gedacht hatte. Er beantwortet kleine Fragen, sagt
seine Meynung darüber ohne
Weitlaüftigkeiten und ohne ein
bestimmtes Urtheil auszusprechen. Er erzählet, er scherzt, er
merkt Fehler an, er
philosophirt, alles wie es ihm einfällt, und
wie er
aufgeraümt ist. Wer wird also darinn nach einer guten
Wahl fragen? Doch der geringste Fehler ist, dasz nichts gehörig
ausgeführt ist. Aber sind es nicht Briefe? Und wenn es Briefe
sind, so wird man hoffentlich keine ordentlichen Abhandlungen
verlangen. Dieser Vorwurf könnte eher die moralischen Gedan-
ken treffen, wenn
Holberg sie nicht Gedanken oder Betracht-
ungen genennet hätte. Daher verdiente auch der erste Ueber-
setzer derselben getadelt zu werden, weil er sie, Abhandlungen
umgetaufet hatte. Holberg soll aber in seinen Briefen auch Wahr-
heiten lächerlich gemacht haben, und dieses ist der gröszte Feh-
ler. Ich habe dieses nicht finden können; dieser Vorwurf trift
die Briefe nicht; man müszte den keinen Unterschied unter
Wahrheiten und Wahrheiten zu machen wissen. Wenn dieses
wäre: so würde kein Mensch in dieser Welt lachen dörfen. Es
giebt also allerdings Wahrheiten, worüber man lachen darf.
Doch, um nicht zweydeutig zu reden, die Wahrheiten stehen
oft in einer solchen Stellung, dasz man sich des Lachens nicht
enthalten kann. Und dieser Umstand wird wohl eigentlich ge-
meynet seyn. Aber desto eher ist Holberg zu
entschuldigen; denn
wenn er
gewisse Wahrheiten auf einer Unrechten Stelle antrifft,
wohin sie nicht gehören: so kann man es ihm nicht verden-
ken, wenn er über denjenigen lacht, der ihnen eine so
thörigte
Situation gegeben hat. Dasz aber Holberg würklich ernsthafte
Wahrheiten und im eigentlichen Verstände lächerlich gemacht
haben sollte, das ist ein Vorwurf, der niemals zu erweisen ist,
und so sehr ich
nachgeschlagen habe, so
wenig habe ich etwas
dergleichen finden können; es müszte denn unerlaubt seyn, mit
einer heitren Stirne von ernsthaften Dingen zu reden. Doch
»Einige Episteln enthalten auch solche Dinge, dasz man kaum
wissen kann, wohin der Verfasser zielet, und es scheinet, er habe
blosz ein dummes Gelächter erwecken wollen, als unter andern
darinn, wenn er einen Vorschlg(!) macht, eine Gesellschaft von
Frauenzimmern aufzurichten, die niemals heyrathen müszten,
damit die Stadt der Pracht wegen jederzeit einen Vorrath an
schönen Mägdchens haben könnte«. Den Vorwurf der Dunkel-
heit einem Holberg zu
machen, das ist etwas ganz neues; wenn
er aber darauf ausgelegt wird, er habe ein dummes Gelächter
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