- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjuguandra årgången, 1922 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - R. Reitzenstein, Vorchristliche Erlösungslehren

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VORCHRISTLICHE ERLÖSUNGSLEHREN I I I

mehr als zwei Jahrzehnten aus dem fast unzugänglichen
Hochland zwischen Turkestan und China durch die deutschen
Forscher Grünwedel und A. v. Le Coq die wundervollen bildlichen
und handschriftlichen Schätze blühender manichäischer
Siedelungen in unseren Besitz; die zunächst rätselhafte Schrift wurde
von F. W. K. Müller bestimmt und die Deutung begonnen, an
der dann der Altmeister unserer Iranisten, Prof. Andreas, und
für einen bestimmten Teil Prof. v. Le Coq hervorragenden
Anteil genommen haben. Eine überwältigende Fülle von
Hymnen, Liturgien, Lehrschriften oder historischen Aufzeichnungen
liegt uns — freilich nur in Bruchstücken — vor und ist mir in
ziemlichem Umfang bekannt, wenn auch Prof. Andreas für die
meisten von ihm mir mitgeteilten eine Veröffentlichung noch
nicht wünscht, weil kleine Fragen der Deutung, die freilich
überwiegend für die religiösen Fragen irrelevant sind, noch nicht die
ihm genügende Lösung gefunden haben. Die Aufzeichnungen
Prof. Müllers und Le Coqs durfte ich uneingeschränkt benutzen;
hinzu kam ferner eine im Hauptteil erhaltene, ins Chinesische
übersetzte Schrift, welche die französischen Gelehrten Chavannes
und Pelliot veröffentlicht haben.

Es handelt sich in der Tat um etwas ganz Seltsames. Im
dritten Jahrhundert nach Christus hat Mani, offenbar eine
gewaltige religiöse Persönlichkeit, den Gedanken gefasst, alle ihm
bekannten Erlösungsreligionen, nämlich Buddhismus,
Zarathus-trismus und Christentum, in einer neuen Weltreligion
zusammenzufassen. Den Buddhismus hatte er in Indien selbst kennen
gelernt, das Christentum wohl nur aus seinen heiligen Schriften,
die persische Religion war ihm, wenn auch vielleicht nicht in
ihrer orthodoxen Gestalt, von Kindheit an vertraut. Die drei
Gründer jener Religionen erkannte er ausdrücklich als Gesandte
Gottes und als seine Vorgänger an. Nur sei ihre eigene Lehre
später verfälscht und entstellt worden; er wolle diese
Entstellungen beseitigen und die letzte untrügliche
Gottesoffenbarung bringen, und zwar als Stellvertreter des persischen
Gottes Mithras. Persisch ist in der Tat, wie Lüders schon vor
vielen Jahren betonte, der Grundcharakter dieser Religion, ihr
ganzer Götterhimmel und das, worauf es für Mani vor allem
ankommt, die ganze Erlösungslehre. Auf das Weltbild allerdings
und auf einzelne mönchische Formen hat zweifellos der
Buddhismus, auf die von Anfang an durchgeführte Kirchengliederung

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