Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum - I. Das Christentum in Arabien zur Zeit Muhammeds
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der ursprung des islams und das christentum
15 I
Bei der bitteren Feindschaft, die damals zwischen Nestorianern
und Orthodoxen bzw. Monophysiten herrschte, war ein
politisches Zusammengehen der persischen Christen mit den Feinden
des Reiches nicht mehr zu befürchten, vielmehr konnten die
Perser nunmehr auf ihre Loyalität ganz besonders rechnen.
Der syrischen Tradition zufolge haben auch die Nestorianer es
nicht unterlassen, diesen Gesichtspunkt den sassanidischen
Herrschern klar zu legen. So erzählt Barhebraeus, der Bischof
Barsaumä von Nisibishabe dem König Peröz (459—484) erklärt:
»Wenn nicht die Christen deines Reiches einen anderen Glauben
haben als denjenigen der Griechen, so können sie dir nimmer
aufrichtig treu sein».1 Er begehrte daher, so erzählt der
Jakobi-tische Chronist, vom König die Vollmacht, alle Christen
Persiens zu Nestorianern zu machen. Am Ende des sechsten
Jahrhunderts haben wirklich die sassanidischen Herrscher den
Gedanken, die Streitigkeiten der Christen politisch auszunützen,
sich zu eigen gemacht und demgemäss haben sie den
Nesto-rianismus als das besonders persische Christentum nicht nur
toleriert, sondern sogar entschieden begünstigt. Denn offenbar
bezeichnet er auf der Skala der christlichen Sekten den
weitesten Abstand von Byzanz, während der Monophysitismus,
wenn auch zuweilen verfolgt, sich doch immer sogar in der
Hauptstadt im Verborgenen behauptete und ab und zu seine
Gönner am Hofe hatte.
Während der Regierung Hormizds IV. und der ersten
Zeit Chosraiis II., also um 578 —605, fällt — und dies ist für
unser Thema von Bedeutung — die Zeit der grössten
Machtentfaltung der Nestorianischen Kirche. Zu dieser Zeit galt
der Nestorianismus »fast als die offizielle christliche Religion
Persiens».2 Horviisd IV. begünstigte also — trotz oder
vielmehr wegen seiner beständigen Kriege gegen die Byzantiner
im höchsten Masse die Nestorianischen Christen und liess
dagegen die Vornehmen von der schwarzen Aristokratie des
Mazdaismus sein Missfallen fühlen. Auf die Klagen der Priester
antwortete er, dass, gleichwie sein Thron sich nicht nur auf
Vorderpfeiler stützen könne, so könne auch seine Regierung
nicht bestehen, wenn er die Christen gegen sich aufhetzte.3
1 B. O. III: i, 393.
2 Labourt a. a. O. 220.
3 Nöldekf. a. a. O. 268. Die Möbeds werden aufgefordert, vielmehr
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