Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum - II. Dichter und Hanifen
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DER URSPRUNG DES ISLAMS UND DAS CHRISTENTUM 2 o i
Al-Näbiga nennt Noah als Exempel der Treue,1 al-A’sà redet
ebenfalls von Noah und der Erbauung der Arche2. Ganz
unbekannt waren somit die biblischen Erzählungen unter
Muhammeds Zeitgenossen nicht.
Auffallende Äusserlichkeiten des christlichen Kultus werden
schon bei heidnischen Poeten erwähnt. An das feierliche
Ein-herschreiten der christlichen Prozessionen denkt ’Antara
(Ahl-wardt 181), wenn er die Strausse, die um ’Ablas Haus
gravitätisch wandern, mit den Christen vergleicht, »die das Heiligtum
(bait al-haikal) umkreisen». Der fromme Misslaut des
Gebetsgongs war jedem, der christliche Ansiedelungen besucht hatte,
aufgefallen. »Du hörst (am Morgen) das Geschrei der Eulen um
uns herum, wie die Gebetsgongs läuten nach der nächtlichen
Ruhe,»3 singt al-Murakkah al-’Åkbar. Gutes und fröhliches
Heidentum atmen diese ziemlich respektlosen Vergleichungen.
Erst die christlichen Poeten zeigen sich über die kultische Sitte
des Christentums einigermassen unterrichtet. Des im Freien
errichteten Krucifixes, der Bilder, auch solcher von Elfenbein
in Nischen aus Marmor oder vergoldet gedenken al Näbiga
(Ahlwardt 4) und al-’A’sä.* Gelegentlich erwähnen sie die
christlichen Festtage. Am Hofe der Gassaniden sah al-Näbi’ga
(Ahlw. 3) die Fürsten wandern »in feinen Schuhen und mit
parfümierten Gürteln — mit Myrtenzweigen btgrüsst auf dem
Palmsonntage». Die von Gregor von Nazianz (Or. XLV 2)
erwähnte Ostersitte kennt ’Adi b. Zaid; er spricht von »der
Osterlampe in der Kirche des Mönches».5 Der von al-’A’sü
gepriesene Christ Haiida b. ’All ehrte den Ostertag durch den
Loskauf einer Anzahl Gefangener.5 Man vermisst aber jedes
Wort über den religiösen Inhalt dieser Feste. Dürfen wir die
beiden in Lisäii (III: 301) erhaltenen Verse al-Asäs als echt
ansehen, so hätte der Dichter die für die Laien der
Nestorianer-kirche geltende Vorschrift des zweimaligen täglichen Gebets
gekannt: »Preise Gott zur Abend- und Morgenzeit und diene
dem Satan nicht sondern Allah.» Das Abendmahl erwähnt
al- Acsä — und zwar in einem Trinkliede: »Roter Wein, der
1 Ahlwardt, 176.
’ Sie’aru al-Naxränijja, 389.
3 Cheikh.o, al-Nasränijja, 207.
4 Ibid. 205.
s Ibid. 216.
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