- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugutredje årgången, 1923 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum - II. Dichter und Hanifen

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TOR ANDRAE

»dass dieser, falls er als Dichter hervorgetreten wäre, der
Verfasser sein könnte», und zieht bedeutsame Folgerungen aus
dem Umstand, dass Wahb aus Jemen stammte: die bodenfeste
jüdisch-christliche Tradition Jemens finde sich bei beiden wieder.
Indessen nicht einem Einzelnen, vielmehr der ganzen alten
Erklärerschule ist ’Umajja geistesverwandt. Und diese Schule
besteht nicht nur aus Jemenensern und hat sich bei ihrem
Stoffsammeln nicht auf südarabische Tradition beschränkt. Die
Annahme, dass ’Umajja und die Schule des Ibn ’Abbas aus
einer gemeinsamen Quelle hätten schöpfen können und die
Gedichte somit doch echt sein könnten, muss wegen der
offenbaren Abhängigkeit des Dichters vom Koran ausser Betracht
bleiben.1 Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es also ein
unbekannter Schüler oder Genosse jener frühesten Exegeten und
Geschichtsschreiber des Islams der es unternahm, den Dlwän
des »Hanifen» zusammen zu stellen, neu zu dichten oder — zum
Teil — auszubessern. Vielleicht können wir einige Vermutungen
über den Zeitpunkt, wo unser Pseudo-Umajja schrieb, riskieren.
Die Worte al-Hagyäg’s:2 »Dahin sind die Leute, die die Poesie
’ Umajjas kannten und so sind seine Gedanken verschollen»,
scheinen mir am besten verständlich, wenn wir sie als skeptische
Abfertigung eines soeben hervortretenden neuen ’Umajja-Diwan
fassen dürfen. Ziemlich früh sind jedenfalls die Gedichte
entstanden. Der Dichter kennt noch nicht den zauberkundigen,
neidischen Bösewicht der späteren ’ Umajja\egznde. Ihm ist
’Umajja der Hanife, dessen Worte die Lehre des Korans von
einer legitimen Fortsetzung der prophetischen Religionen
belegen sollen; er lässt ihn sogar ein Huldigungsgedicht an
Muhammed anstimmen. Den Philologen ist die sprachliche
Sonderstellung dieser Dichtungen im Vergleich zu der echten alten
Poesie früh aufgefallen. ’Umajjas Verse werden nicht als
Beweis für Sprachrichtigkeit verwendet.3

So sind denn nach meiner Meinung die Gedichte ’Umajjas
fernerhin aus der Diskussion über den Ursprung der koranischen
Theologie auszuschliessen.

1 Ebensowenig scheint mir die Tatsache, dass die in ’Ag. und anderswo
mitgeteilte Charakteristik von ’Umajjas Dichterart sehr gut zu unseren
Fragmenten stimme (Schulthess, 81) etwas über die Echtheit zu beweisen. Das
dürfte doch alles eben auf den Pseudo ’Umajja zugeschnitten sein.

> ’Ag. III, 187 unten.

3 Ibn Kutaiba, Kitäb al Si’r, ed. de Goeje, 281.

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