- Project Runeberg -  Kyrkohistorisk Årsskrift / Tjugufjärde årgången, 1924 /
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(1900)
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - I. Undersökningar - Tor Andrae, Der Ursprung des Islams und das Christentum. III. Die Eschatologische Frömmigkeit Muhammeds

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TOR AND RAE

sinkt (bemahmejànüt_ä), wird sie im Gericht ein schmerzliches
Wort hören müssen!»1 Im Gegensatz zu seinem Mönchsleben,
das ganz von der Wucht des Jenseitsgedankens beherrscht ist,
nennt denn auch der Asket sein Weltleben »le temps de son
négligence».2

Vor allem ist es aber der Gedanke an die künftigen
Strafen, die den Mönch zum Ringen um das Heil antreibt. »Mes
frères», so ermahnt Pachomius seine Mönche, »travaillons de
toute notre àme en plagant à toute heure la mort devant nos
yeux et en considérant les supplices redoutables».3 Wenn der
Mönch in die Versuchung kommt, vom rechten Wege
abzuweichen, dann sucht er sich die Schrecken der Höllenqualen
zu vergegenwärtigen. Als einst einem Bruder im Gefühl des
Hungers die Lust ankam, heimlich eine Gurke zu nehmen,
sprach er zu sich selbst: Wer stiehlt, kommt in die Pein.
Darauf setzte er sich in die pralle Sonne fünf Tage hindurch. Die
aber peinigte ihn so, dass er es nicht mehr zu ertragen
vermochte. Da sprach er bei sich selbst: Wieviel weniger würde
ich das Höllenfeuer ertragen.4 Das Mönchsgelübde Schenutes
schärft denn auch mit der hypothetischen Selbstverpflichtung
zu den Höllenstrafen die Notwendigkeit der Treue ein. »Wenn
ich übertrete was ich gelobte, so will ich nicht ins
Himmelreich kommen, obwohl ich es sah. Gott . . . wird meine Seele
und meinen Leib vernichten in der ewigen Gehenna».5

William James hat einmal den Puritanismus als »die
Religion der ewigen Unruhe» bezeichnet. Diese Benennung würde
man mit noch grösserem Recht auf diese koptische
Mönchsfrömmigkeit übertragen können. Die ständige Furcht steht
hier auf der Tagesordnung, sie darf nie beschwichtigt werden,
sie ist vielmehr das eifrig erstrebte Kennzeichen echter
Frömmigkeit. Es ist eine überaus ernste, finstere Stimmung, die
unter diesen Betbrüdern herrscht, eine Religion, die es liebt,
alles in Schwarz zu sehen. Wie eine beständige Furcht, so

1 Theophilus Alexandrinus, Une homélie inédite, Reime de VOrient
Chrétien, 1913, 81.

? Vertus de St. Macaire (koptisch), Ann. du Mus. Guimet, XXV, 175.

3 Vie de Pachome, Patr. Orient., IV, 453.

4 Book of Paradise, II, 506.

5 J. Leitpoldt, Schenute, 109. Die Vernichtung der Frevler ist ein
echt ägyptischer Gedanke.

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