Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Undersökningar - Erich Burger, Deutsche Kirchenmelodien in Schweden. Ein Beitrag zur Geschichte der schwedischen Reformation - I. Einleitung - 2. Die Einführung der Reformation und des deutschen Kirchenliedes
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>
Below is the raw OCR text
from the above scanned image.
Do you see an error? Proofread the page now!
Här nedan syns maskintolkade texten från faksimilbilden ovan.
Ser du något fel? Korrekturläs sidan nu!
This page has never been proofread. / Denna sida har aldrig korrekturlästs.
deutsche kirchenmei.odien in schweden
175
der Reformation wurden mit wahrer Leidenschaft aufgenommen und
völlig als eigen angesehen. Luthers »Eine feste Burg» erhielt die
Bedeutung eines Nationalliedes und in der Durchführung der
Reformation sah man die höchste vaterländische Aufgabe.
So entstand eine immer innigere Verbindung mit Deutschland.1
Williger denn je unterwarf man sich den fremden Einflüssen.
Ausländische Literatur und Musikalien fanden in reichem Masse
Verbreitung und regten die eigene Produktion an. Naturgemäss stand
alles, was mit der Reformation zusammenhing im Mittelpunkt des
Interesses. Besonders bemühte man sich um deutsche Choralbücher,
um daraus den eigenen Liederschatz zu vermehren.2 Zahlreiche
deutsche Organisten wurden ins Land gezogen und erhielten
Anstellung an schwedischen Kirchen.3 So verbreitete sich bald die
Kenntnis der neuen protestantischen Lieder mehr und mehr.
Die schwedische Kirche besass jedoch noch kein officielles
Gesangbuch. Während sich die deutsche Gemeinde Stockholms schon
1605 in Rostock eine besondere Choralsammlung hatte drucken
lassen, begnügte man sich im übrigen Land mit privaten Drucken4
oder handschriftlichen Aufzeichnungen5. Erst 1643 erschien eine
1 Sehr aufschlussreich ist hierfür die Entwicklung der schwedischen
Sprache in jener Zeit, die eine völlige Umbildung nach dem Deutschen erfährt.
2 Am beliebtesten waren die Sammlungen von Joh. Crüger (»Praxis
pietatis melica»), Joh. Leo Hasler, Mich. H. Praetorius, Andr.
Hammerschmidt, S. Scheidt, S. Capricornus, Briegel, Ahle, Bodenschatz,
Mich. Vulpius, Joh. Herm. Schein, die sich noch heute in zahlreichen
Exemplaren auf schwedischen Bibliotheken befinden. Eine 1602 von Torstenius
herausgegebene Sammlung der Goudimel’schen Psalmen nach der deutschen
Ausgabe Lobwassers erhielt gewisse Bedeutung. Einige dieser Melodien wurden
auch in das Choralbuch von 1697 übernommen. In der 2. Hälfte des 17. Jahrh.
war der Einfluss norddeutscher Komponisten am stärksten, so der Lübecker
Meister Dietrich Buxtehude und Franz Tunder, der Hamburger Christof
Bernhard, Matthias Weckmann (Norlind, Z. Gesch. d. schwed. Mus., S. 248).
3 Darunter die bedeutendsten: Anders und Gustaf Düben, Christoph
Ritter, Joh. Casp. Schulz, Christian Kellner, Ernst F. Pape, Christian Geist,
Georg Stübendorff, Joh. Jac. Hämischer.
4 Am verbreitesten waren Petrus Rudbecks Enchiridion von 1622.
5 Unter diesen sind mehrere, die durch die Reichhaltigkeit
aufgezeichneter Melodien für die Entwicklung des schwedischen Kirchenliedes wichtig
wurden, so z. B. die Handschr. Kalmar I u. II, das Psalmbuch von 1675
(Hand-schr. Rappe) und die Sammlung der Riddarholmskirche in Stockholm
(Handschr. Ridd.).
<< prev. page << föreg. sida << >> nästa sida >> next page >>