Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - Undersökningar - Erich Burger, Deutsche Kirchenmelodien in Schweden. Ein Beitrag zur Geschichte der schwedischen Reformation - IV. Ergebnisse der Vergleiche - 3. Zusammenhänge und Unterschiede in der Entwicklung des schwedischen und deutschen Kirchenliedes im 16. u. 17. Jahrhundert
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deutsche kirchenmelodien in schweden
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des Diminutionswesens beigetragen haben. Wir sehen darin den
Willen zu subjektivem Gestalten und freiem künstlerischen Vortrag.
Jedoch verlieren die Melodien oft ihren individuellen Charakter und
nähern sich einer typischen Linienführung, die wiederum einer
melodischen Verarmung gleichkommt.
Andere Verfallserscheinungen sind häufig die Folge einer
mangelhaften mündlichen bezw. schriftlichen Überlieferung.
Vergleichen wir z. B. die 6. und 7. Zeile von Luthers »Ein feste Burg» (No. iS)
wie sie Mönst. notiert:
statt (Klug)
Die Vorausnahme des höchsten Tones f wirkt matt und weichlich.
Ebenso hat die Verschiebung der folgenden Zeile um eine Stufe nach
unten mit dem Schluss auf der Unterdominante eine bedeutende
Ab-schwächung zur Folge.1 Ähnlich geht es mit der Melodie »O Welt
ich muss dich lassen». Hier hat die schwedische Fassung der 2.
(5.) und 3. Zeile deutliche Merkmale der Zersingung, die nur z. T.
durch den Text erklärt werden und der u. a. der reizvolle
Taktwechsel der deutschen Weise zum Opfer fällt:
Deutsch: (Eisleben 1598)
Schwed.: (Rappe, No. 63)
Einen stärkeren Eingriff erfährt die berühmte Melodie von
»Herzlich tut mich verlangen» (später »0 Haupt, voll Blut und
Wunden»), die in G. 394 ihres phrygischen Charakters beraubt und nach
d-Moll umgedeutet wird.2 Schon der Anfang
1 Möglich ist hier freilich auch ein Schreibfehler, wenngleich es verwunder
lieh ist, dass dieser sich drei Takte hindurch auswirkt. Der Tritonus e-b ist
jedenfalls gesanglich sehr nachteilig, wenn nicht überhaupt unmöglich für die
praktische Ausführung. 2 Vgl. No. 76.
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