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Nowo -Georgiewsf. 469
Schloß Zegrze, wo wir beim Armeechef und seinem Stabschef, General-
OE 2420000 , zu Abend aßen.
Am Vormittag des 18. Augusts lag über Warschau ein feuchter
Nebel, die Umrisse und Türme von Praga traten nur undeutlich hervor,
und als wir am Nachmittag eben im Begriff waren, nah Okuniew zu
fahren, brah der Regen los und ging bald in eine wahre Sintflut
über. Die Straßen waren mit einem Schlage menschenleer. Die
vorübermarschierenden Soldaten hüllten si<h in ihre Mäntel oder Zelt-
bahnen; Munitionswagen und anderes Fuhrwerk bede>ten sih mit Planen.
Es strömte aus allen Dachrinnen, es brauste die Fußsteige entlang;
shmutige Wasserstrahlen flossen von Wagenverde>en und Mübtenschil-
dern, und die zerschlissenen Röcke der Juden glänzten noh spe>iger
als jonst. Alles war naß, düster, finster und falt. Der Anbli> der
noh immer hinausziehenden Flüchtlinge, die mit Frauen und Kindern,
mit Hab und Gut diesem Wetter s{hublos preisgegeben waren, flößte
tiesstes Mitleid ein.
Zn Wind und Wetter kehrten wir nah Warschau zurü> und aßen
zu Abend bei dem General der Infanterie von E... , der jeßt —
in so kurzer Zeit schon der dritte Gouverneur der Stadt — das Re-
giment in Warschau führte. Der jetzige Oberbürgermeister trug den
historish berühmten Namen Lubomirsti.
Wir saßen noch bei Tisch, als Ganghofer mit der Nachricht herein-
platzte, Nowo-Georgiewsk sei gefallen! Er selbst hatte die Truppen bei
ihrem Einzug in die Stadt begleitet. Am Morgen des 20. Augusts eilte
ih im Automobil des Obexrstabsarztes Dr. Hochheimer mit Pr. Keeser
und dem Automobilleutnant Ricken in rasender Fahrt der eroberten
Festung entgegen.
Die Brücke über die Wkra, einen nördlichen Nebenfluß des Narew
glcih oberhalb der Stelle, wo dieser in die Weichsel mündet, war natür-
lich gesprengt, aber man arbeitete, was das Zeug hielt, an einer Kriegs-
brü>e. Eine Reihe von Stegen war schon über die Wkra gelegt, und
über sie marschierte ein ununterbrochener Strom von Gefangenen.
Die Leute sahen zum Teil sehr vergnügt aus; einige sangen und waren
etwas angeheitert; andre jedo<h waren so herunter, daß sie von Ka-
meraden gestützt werden mußten, die noch fester auf den Beinen waren.
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