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Die brennende Stadt. 497
Bajonette blitzen dort im Brandschein, und lange, dunkle Schatten
fallen auf die Felder. Die Soldaten singen niht, {hwecigend betrachten
sie das furchtbare Schauspiel, diese wahnsinnige Vernichtung von Werten,
für die man alle Armen Polens ein Jahr lang hätte sättigen können!
Wir fahren noh 10 Kilometer nach Nordosten in die Nacht hinaus.
Der Feuerschein wird matter, vershwindet, und wirx sind in der Stille
des Ödlandes. Hier ziehen keine Truppen mehr. Nur ein Biwak noch
auf einer Wiese: Flüchtlinge aus der Gegend südli<h von Lublin, die
gezwungen wurden, der zurückgehenden russishen Armee bis hierher zu
folgen.
Der Brand hinter uns ift zusammengesunken. Aber vor uns im
Osten bedeckt sih der Horizont aufs neue mit Flammenkränzen: Dorf
um Dorf geht in Feuer auf, Gchöft an Gehöft reiht ih zu einem
glühenden Perlenband zusammen.
Wo sollten wir nun die Nacht zubringen? Jn der Stadt gab es
feinen Winkel, wo man hätte ruhig {hlafen können; die Häuser, die
noch nicht brannten, konnten jede Stunde in Flammen aufgehen. Wir
fehrten daher zu den Holzstößen auf dem offenen Plate zurück, wo es
in einiger Entfernung erträglih war; ein Stüc Kommißbrot und der
Inhalt einer Konservenbüchse war unser Abendbrot, Kaffee erhiclten wir
von einem Küchenwagen in der Nähe, und dann schliefen wir vortreff-
lih in unserm Auto.
1/,5 Uhr fuhren wir aus Brest-Litowsk hinaus. Der Feuerschein
kämpfte mit dem Licht des grauenden Tags. Auf einer österreichischen
Feldbrücke kamen wir über den Bug und fuhren durch Terespol. Es
roh nach Leichen, und Raben kreisten über dem Feld, auf dem herren-
lose Hunde umherstreisten. Jn Siedlce nahm ih Abschied von meinem
prächtigen Reisekameraden und fuhr in rasender Geschwindigkeit nach
Warschau zurü>, um von da den Heimweg anzutreten.
Hedin. Nach Osten! 92
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