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200 A. B. Drachmann:
Weniger befriedigt die Interpretation des Verf.s, wo es nicht
auf Belesenheit, sondern auf gesunden Sinn und guten Geschmack
ankommt. In der Auffindung von versteckten Beziehungen, besonders
in den Bigennamen, geht er viel zu weit; so vermuthet er —
ein Beispiel von vielen — in dem ἐς Φασηλίδα πλώσῃ 11 59
eine boshafte Anspielung auf den Rhetor Theodektes (der doch
wahrscheinlich zur Zeit des Herondas schon lange todt war).
Auch mit dem Faustkämpfer Mög ἐμ Iloon (ebenda 62), der
anderwärts viel Glück gemacht hat, kann ich mich nicht recht
befreunden, wenn auch zuzugeben ist, dass Herondas möglicher
Weise seinem /eno die moderne Verdrehung des alten Sprichwortes
in den Mund gelegt hat. Aber auch an Stellen, die von dieser
Bigenheit nicht berührt werden, wird zu oft das Künstliche und
Gesuchte dem Einfachen und Natürlichen vorgezogen. Ein Beispiel
instar omnium ist die Erklärung des Schlusses von III, auf die
ich unten zurückkommen werde; in dieselbe Kategorie gehört die
Behandlung der Stelle IV 75 f., wo Cr., auch nachdem Bücheler
das Richtige gegeben, an seiner Auffassung festhält. I 26 wird
οἶκος τῆς ϑεοῦ als «das reine Paradies» erklärt, unter Berufung
auf Stellen, wo ϑεῶν οἶκος steht: auf das Richtige deutet schon
Rutherford (die Heimath der Aphrodite). Über VI 84 s. jetzt
Blass Gött. gel. Anz. 1892, p. 234. Dass Adov τιμὴ V68
nicht zu erklären ist, sollte man doch lieber einfach zugeben,
als es mit μητρὸς ἐμῆς σέβας τ. s. Ww. zusammen bringen. Es ist
überhaupt mit den Erklärungen des Verf.s vielfach wie mit seinen
Ergänzungen: das nescire fateri fällt ihm schwer.
Anstatt mich in eine unfruchtbare Kritik weiter zu vertiefen,
will ich lieber ein paar Stellen vorführen, zu deren Erklärung ich
etwas beitragen zu können glaube; ich werde dabei gelegentlich
auf Cr. Bezug nehmen, um obiges Urtheil zu erhärten. Die
gesammte Herondaslitteratur durchzugehen, hat mir die Zeit
gefehlt; möglicher Weise ist deshalb Einiges schon von Andern
vorweggenommen.
120 ἀλλ᾽ οὐ τοῦτο μή σε ϑεομήνῃ können nicht der Metriche
gehören, wie bei Cr.; in ihrem Munde müsste es wenigstens heissen:
ἀλλὰ τοῦτο μή σε ὃ. Im Munde der Gyllis bedeuten die Worte
wohl: doch davon wirst du keine Freude haben (ich lasse mich
nicht necken).
42 κεῖνος ἢν ἔλθῃ... μηδὲ εἷς ἀναστήσῃ wird von ΒΜ].
und Cr. einstimmig auf den Tod (der Metriche) gedeutet; nach
Rutherford und Blass gehören die Worte der Metr., und "εῖνος
geht auf den Mann derselben. Letzteres ist richtig; aber die
Worte gehören der Gyllis und beziehen sich auf die Möglichkeit,
dass der Mann der Metriche auf der Reise umkommen könnte,
wie das vorhergehende γηῦς μιῆς ἐπ᾽ ἀγκύρης oùz ἀσφαλὴς
Óoμοῦσα so Wie vs. 68 μὰ τὴν γὰρ Δίάνδριος κατάπλωσιν deutlich
zeigen. Suppliren kann ich die Stelle nicht; aber der Sinn ist:
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Project Runeberg, Tue Jun 16 13:58:03 2026
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