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138 C. A. Nissen: Anm. af Zeidler, Rudolfs v. Ems Wilh. v. Orlens.
hunderts. Sein Hauptwerk ist die einer lateinischen Quelle
nachgedichtete Bekehrungsgeschichte «Barlaam und Josaphat»; daneben
sind «Wilhelm von Orlens», «Alexander der Grosse» und die
« Weltchronik» seine bedeutendsten Produktionen.
Nach einer bündigen und zu gleicher Zeit vollständigen
Inhaltsangabe des altfranzösischen Gedichtes «Jehan et Blonde»,
dessen Hauptzüge in dem Gedichte Rudolfs von Ems wiederkehren,
schreitet Verf. zu einer kritischen Vergleichung der beiden
Gedichte nach dem gemeinschaftlichen Stoff mit genügendster
Rücksichtnahme auf die gleichzeitigen Verschiedenheiten und die durch
selbständige Bearbeitung von Seiten Rudolfs verfehlten Stellen
und durch die anfängliche Anlage der agierenden Personen in dem
deutschen Gedichte hervorgerufenen Widersprüche. In dieser
kritischen Vergleichung erweist Verf. durch eine ziemlich breite
--- 82 und später noch 56 Seiten umfassende —, jedoch ungemein
genaue und zuverlässige Auseinandersetzung zur Evidenz, dass
Rudolf von Ems die vorauf angenommene Quelle nicht nur stark
benutzt hat, sondern dass er von derselben so sklavisch- abhängig
ist, dass er nicht einmal die von ihm selbst erfundenen Motive
und Exkurse selbständig durchzuführen vermag, und deshalb
gewöhnlich nur Verschlimmbesserungen erzielt. .
Im dritten Abschnitte behandelt Verf. die grösseren
selbständigen Interpolationen Rudolfs, die durch die Verschiedenheit
seiner Hauptperson von derjenigen des französischen Gedichts
notwendig geworden, und zeigt hier zur Genüge die Gedankenarmut,
die psychologische Seichtigkeit und selbstgefällige Breite des
deutschen Dichters im Vergleich mit seiner Quelle. Unter anderem
kann ich mir die Bemerkung nicht versagen, wie sehr die stets
wachsende Anzahl der jungen Ritterkandidaten in der
«Schwertleite» an die «elf steifleinenen Kerle aus zweien» des Ritters
John Falstaff erinnern. Hier wiederum zeigt Verf. mehrfach,
wie sich Rudolf sogar in den von ihm selbst erfundenen Scenen
der Anlehnung an seine Vorlage nicht enthalten kann und dadurch
wiederum nur die Geniessbarkeit des eigenen Gedichts
beeinträchtigt, und wie er durch die mangelhafte oder gänzlich fehlende
Personensechilderung in eine leere Aufzählung von Handlungen
verfällt.
Nach einem vierten Abschnitte, der eine Fortsetzung des
zweiten enthält, geht der Verf. im fünften an eine kritische
Behandlung der Schlusspartie von Rudolfs Gedicht, welche wieder
von der Quelle abweicht, ohne jedoch von derselben unabhängig
zu sein, und zeigt u. a., wie Rudolf hier durch mehrere Motive
aus Wolframs Parcival, Hartmanns Gregorius, dem
Nibelungenliede, dem Eckenliede, Hartmanns Erec und der Kudrun stark
beeinflusst ist.
In einem kurzen sechsten Abschnitte zeigt Verf. den Einfluss
des Tristan, der Eneit, des Titurel und des Gregorius auf die
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Project Runeberg, Tue Jun 16 15:33:36 2026
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