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Dieterich, Nekyia. 181
die man doch für spätere Zeit zugeben muss, nicht schon im
V. Jahrh. sich geltend gemacht haben? War ja doch, wie der
Verf. auf Grund der Angaben bei Platon weiter auseinandersetzt,
der orphische Geheimcult im VI. Jahrh. in Athen blühend.
Nach einer allgemeinen Uebersicht der orphischen Lehre von
der Unterwelt! werden im III. Capitel «Orphisch-pythagoreische
Hadesbücher» in einer sehr schönen und umsichtigen Untersuchung
die Spuren dieser Litteratur zusammengesucht, nicht nur bei den
Schriftstellern bis in die späteste Zeit, sondern auch in den
interessanten Goldtäfelchen, die man in unteritalischen und kretischen
Gräbern gefunden hat und die den Weg der Todten im Hades
beschreiben und darauf bezügliche Weisungen geben, eine Art von
Leitfaden für den Todten. Das ist, auch quantitativ, das
Hauptstück des Buchs, und die Combinationen des Verfassers sind
überzeugend und geben ein gutes Bild dieser orphischen Lehre mit
ihren rohen Höllenstrafen und fast ebenso rohen Himmelsfreuden.
Im IV. Capitel. «Sünder und Strafen im Hades», wird dargestellt,
wie die griechische Hölle, die ursprünglich nur für wenige
Hauptverbrecher Raum hatte, sich unter orphischem Einfluss nach und
nach bevölkert, und wie die Sünden und Strafen immer mehr
specifizirt werden; die Aehnlichkeit dieser Classifieation mit der in
altchristlichen Schriften vorkommenden wird tabellarisch vor Auge
geführt.
Das V. Capitel bespricht die «jüdische Apokalyptik» und
weist nach, dass die Schilderung der Petrusapokalypse dort ihre
Wurzeln nicht haben kann; es fehlt der jüdischen Apokalyptik,
wo sie nicht schon vom Griechenthum beeinflusst ist (wie bei den
Essenern), die Mannigfaltigkeit der Strafen. |
Zum Schluss wird dann das Ergebniss zusammengefasst: die
Schilderung des Jenseits in der Petrusapokalypse ist griechischen,
speciell orphischen Vorstellungen entlehnt.
Im allgemeinen wird das richtig sein, wenn auch
wahrscheinlich die orphische Litteratur hierbei weniger gewirkt hat als die im
Volke verbreiteten orphischen Vorstellungen. Zwar ist die
Aehnlichkeit in der Schilderung der Seligen nur ganz äusserlich; der Verf.
macht selbst S. 40 richtig darauf aufmerksam, dass die Schönheit
und Herrlichkeit der Seligen bei Petrus mit Zügen geschildert
wird, die längst Gemeingut der Litteratur waren, und das
specifisch orphische, das ewigliche Schmausen und Trinken, das für ihr
Paradies ebenso charakteristisch ist wie die Houris für das
mahomedanische, das fehlt eben in der Apokalypse. Wenn die Genüsse
' Wenn 5. 75 Anm. bei Heraklit fr. 130 eine Anspielung auf
orphische Reinigungen gefunden wird, scheint das ein Misverständniss.
Heraklit höhħt die Leute, die sich mit Blut reinigen (wie in Mithrascult
später); das sei ja ebenso thöricht, als ob einer sich mit Koth waschen
würde, wenn er sich mit Koth beschmutzt hat. Von dem orphischen
«Koth» ist die Rede nicht.
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