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66 Holger Pedersen: Anm. af
riren, wie haben sich Gesetzgebung und Verwaltung, Schule und
Kirche der Sprache gegenüber verhalten, welches geistige Leben
hat durch die Sprache seinen Ausdruck gefunden, in welchen
Litteraturwerken liegt sie vor? Die innere Sprachgeschichte ist
die Geschichte der Wörter, Formen und Konstruktionen der
Sprache und zerfällt in Wörterbuch und Grammatik. Die äussere
Geschichte der Sprache ist eine Aufgabe der allgemeinen
Geschichte, der Kultur- und Litteraturgeschichte; aus einleuchtenden
Gründen werden aber die wichtigsten hiehergehörigen Thatsachen
gewöhnlich als Einleitung der Grammatik vorausgeschickt. -Wenn
man aber mit Stolz äussere und innere Sprachgeschichte so definirt,
dass man <die Erforschung des Binflusses, den die umgebenden
Sprachen oder Dialekte auf Wortschatz und Grammatik ausgeübt
haben», der äusseren Sprachgeschichte zuweist, bleibt die Grenze
der’ beiden Gebiete unklar und die ganze Unterscheidung kann
dann keinerlei praktischen Werth haben. — Stolz behandelt in
der Binleitung zunächst die Stellung des Latein im Kreise der
verwandten Sprachen. Von der Stammbaumtheorie behält Stolz
die Eintheilung der japhetischen Sprachen in zwei Gruppen bei:
asiatische Gruppe (Indisch und Iranisch) und europäische Gruppe
(die übrigen Sprachen). Dies ist aber eine veraltete Auffassung;
die enge Zusammengehörigkeit der beiden arischen Sprachen kann
doch einfacher ausgedrückt werden als durch diese Zweitheilung.
Eher hätte Stolz eine andere Zweitheilung erwähnen sollen:
centum-Sprachen (Griechisch, Italisch, Keltisch, Germanisch) und
satm-Sprachen (Baltisch-Slavisch, Albanesisch, Armenisch, Arisch); aber
auch diese Zweitheilang darf’nicht für einen Stammbaum
verwerthet werden. Die Schmidt’sche Wellentheorie wird von Stolz
in sehr unglücklich gewählten Ausdrücken vorgeführt: die
einzelnen Sprachzweige seien die Fortsetzer der bereits für die
Ursprache vorauszusetzenden Dialekte. Die Periode, wo die heutigen
Sprachgruppen schon als Dialektgruppen bestanden, kann man nicht
passend als ursprachliche Periode bezeichnen. Von Dialekten der
Ursprache vor der uns bekannten Sprachtrennung wissen wir noch _
nichts. Über das Verhältniss des Italischen zum Keltischen spricht
Stolz keine eigene Ansicht aus, sondern verweist nur auf eine
Abhandlung von Brugmann; somit bleiben die Leser über diesen
wichtigen Punkt in Ungewissheit. Die «Mär von den
Gräco-Italern» wird von Stolz äusserst energisch bekämpft; das heisst
doch eigentlich offene Thüren einrennen; mit der Verwerfung der
Stammbaumtheorie und mit der Hervorhebung der
Nächst-Zusammengehörigkeit des Italischen mit dem Keltischen ist die gräco-italische
Hypothese aus der Welt geschafft, und man braucht dann nicht
mit Stolz die nicht abzuleugnenden speciellen Übereinstimmungen
des Italischen mit dem Griechischen zu verschweigen; auch mit
dem Germanischen werden vorhistorische Berührungen des Italischen
anzuerkennen sein. — In den folgenden einleitenden Kapiteln
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Project Runeberg, Tue Jun 16 16:58:21 2026
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