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ἘΞ ΓΤ ΡΨ
t
Lucretius III, erkl. von Heinze. A95
Schüler mit dem Quellenmaterial ermöglicht. Dass die
Interpretation eines Textes sich für den mündlichen Unterricht in
akademischen Uebungen so vorzüglich eignet, wobei man in der
freieren Form von Frage und Antwort gerade das unter den
gegebenen Verhältnissen nöthige oder wünschenswerthe zur Sprache
bringen kann, ist vielleicht mit daran Schuld, dass wir in der
philologischen Litteratur so wenige wirklich gute Commentare
hesitzen. Zwar an sogenannten Schulausgaben mit Commentar
haben wir wahrhaftig keinen Mangel; aber wenn auch die meisten,
namentlich der deutschen, über den Standpunkt der Schüler,
wenigstens bei uns, weit hinausgehen und weit eher unsren
Studenten in die Hände gegeben werden können, sind sie doch
genöthigt schandenhalber auch auf den elementaren Standpunkt,
dem sie dem Namen nach dienen wollen, gewisse Rücksichten zu
nehmen. So entstehen jene unerfreulichen Zwitterwesen, die nach
der alten Definition im Wasser sterben und in der Luft nicht
leben können. Wenn man die guten alten Commentare aufschlägt
(was man nicht versäumen soll), wie Manutius zu Cicero oder
Lambinus zu Horaz, findet man darin neben Erklärungen der
auch dem reiferen Verständniss schwierigen Stellen und
Erläuterungen des sachlichen und historischen längere Erörterungen mit
Belegstellen über sprachliche und antiquarische Gegenstände, wie
sie damals, wo es noch keine Handbücher gab, ihre volle
Berechtigung hatten. Aber manches der Art schleppt sich ohne
Berechtigung auch heute noch in unsren Commentaren fort, wo
die Sache besser mit einem Verweis auf ein Handbuch abzumachen
wäre. Und andererseits nehmen, wo neues beigebracht wird, solche
Erörterungen zuweilen einen so breiten Raum ein und lösen sich
so sehr von dem vorliegenden Texte los, dass sie in eine
besondere Abhandlung eher denn in einen Commentar gehören.
Die mannigfache Belehrung, die diese Art bei Lobeck bringt,
darf nicht darüber täuschen, dass es ein Abweg ist. Der
Commentar soll ja nur ein Diener des Textes sein, der seinem Herrn die
Schwierigkeiten aus dem Wege räumt und ihm verständnissvolle
Aufnahme sichert. Aber ein vollkommener Diener, in jedem
Sattel gerecht. Wenn wirklich die von den Jahrhunderten
aufgehäuften Schwierigkeiten des Mitempfindens schwinden sollen, so
dass der Commentar uns die Voraussetzungen beibringt, die den
ursprünglichen Lesern yon Haus aus mitgegeben waren, müssen
die beiden Hauptseiten, die sprachliche und die reale, gleichmässig
berücksichtigt werden, und solcher Commentare giebt’s recht wenige.
Das neue Unternehmen der Teubnerschen Buchhandlung, wovon
das vorliegende Buch die zweite Probe ist, den grossen kritischen
Ausgaben entsprechend eine Sammlung wissenschaftlicher Comr3en -
tare den commentirten Schulausgaben zur Seite zu stellen, ist
daher gewiss mit Freude zu begrüssen, besonders bei der jetzigen
Richtung der Philologie, die dafür bürgt, dass allerlei Klein-
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Project Runeberg, Wed Jun 17 00:22:07 2026
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