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98 J. L. Heiberg: Anm. af
haupt hat man sich bei Lucretius noch nicht dazu entschlossen
die alte Handschrift Poggios ernstlich aus den italienischen
Abschriften wiederherzustellen; es wird eine mühsame Arbeit sein,
muss aber gethan werden, ehe man die Ueberlieferung als
vollständig festgelegt betrachten kann. Der Hg. will nach S. V die
italienische Ueberlieferung, wo sie in sich übereinstimmt, mit C
bezeichnen, und das geschieht denn auch zu v. 266, 375, 657,
747, 851, 941?, 994. An den übrigen Stellen, wo eine offenbar
richtige Lesart den «Italis» zugeschrieben wird, soll man wohl
also an Coniectur eines unbekannten (vor Marullus, Pontanus usw.)
glauben, auch z. B. v. 458 f/atısci für faetis A B. Ohne Zweifel
steckt in diesen vorzüglichen Lesarten der Itali viel mehr
Ueberlieferung, als mån gewöhnlich annimmt; wie viel, lässt sich
allerdings nach den vorliegenden Collationen nicht sagen. Mit der
Misachtung der Itali hängt es zusammen, dass ihre richtigen
Lesarten, wenn sie mit zweiter Hand auch in A B stehen, im
Apparat nur mit den Siglen A? B? erscheinen (s. S. VI). Die
übrigen Entscheidungen des Hg.’s in kritischen Dingen sind meist
zu billigen. Sehr beachtungswerth ist der Versuch suadet v. 84
zu halten durch starke Interpunction nach v. 82. Spicarumque
v. 198 hält der Hg. trotz Brieger für corrupt; sonderbar und
wenig glücklich gewählt ist es ja, aber unmöglich finde ich es
nicht. Die gegen mens recipit v. 239 erhobenen Bedenken sind
wenig begründet (vgl. Cicero de off. III 119; Seneca epp. 82, 17;
Quintil. X 7, 31) Der folgende Vers, den der Hg. ebenfalls
mit einem Kreuz versieht, scheint mir von Winkelmann evident
verbessert: quaecumque elementa voluta(n)t. V. 362, der
gewöhnlich als corrupt gilt, wird mit Polle richtig erklärt und
dadurch gegen jede Aenderung geschützt.
Dem eigentlichen Commentar geht eine vortreffliche Einleitung
voraus S. 33—46, worin die Psychologie Epikurs und das
Verhältniss des Lucretius zu unsern sonstigen Quellen für diesen Theil
des Systems kurz und klar dargelegt werden. Die verkehrten
Versuche die beiden parallelen Eintheilungen der Seele (die
Zweitheilung in animus und anima und die Viertheilung v. 231 ff.)
irgendwie mit einander zu vereinigen werden S. 41 mit Zeller und
Giussani zurückgewiesen, ausführlicher S. 78 ff., wo aus der
unvermittelten Nebeneinanderstellung sehr ansprechend auf eine
andere Vorlage für 231—322 geschlossen wird.
Der Commentar ist ausführlich und, was das sachliche betrifft,
erschöpfend ohne Weitschweifigkeit; überall wird, dem Programm
gemäss, den Intentionen des Dichters genau und oft scharfsinnig
nachgegangen ohne überscharfsinnige Subtilität. Ich greife als
Beispiele ein paar Bemerkungen heraus, die entweder neues bieten
oder anderen Erklärungen gegenüber das richtige treffen. Die
auffallende Hervorhebung der Todesfurcht als Ursache der
Begierden v. 63 ff. wird aufgehellt durch Anführung von Porphyrios
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Project Runeberg, Wed Jun 17 00:22:07 2026
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