- Project Runeberg -  Nordisk tidskrift for filologi (og pædagogik) / Tredie række : Sjette bind /
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(1874-1922)
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Sophokles Elektra, erkl. von Kaibel. 101 der Behandlung des Textes ist Kaibel durchaus conservativ. Es werden natürlich einige. meist ganz evidente Conjecturen von Andern in den Text aufgenommen; von K. selbst nur äusserst wenige. Vorschläge von Andern, die nicht aufgenommen sind, werden im Apparat nicht angeführt; dagegen werden natürlich viele im Commentar erwähnt und durchgängig abgelehnt, mitunter sogar ohne Nennung des Urhebers. Es wäre wol praktisch gewesen, Conjecturen die im Commentar direkte Erwähnung finden, auch im Apparat anzuführen. — Die eigenen Vorschläge des Herausgebers zeugen alle von reifer Erwägung und guter Methode; eine ganz evidente Besserung habe ich unter ihnen nicht gefunden. Auf den Text folgt eine Binleitung, deren Hauptstücke eine Analyse des Stücks und eine Behandlung der Prioritätsfrage zwischen der Sophokleischen und der Euripideischen Elektra sind. Im der Analyse hat Kaibel im Ganzen das Richtige gesehen und scharf hervorgehoben; über Einzelheiten lässt sich ja immer streiten. In der Prioritätsfrage nimmt er gegen v. Wilamowitz Stellung; obschon ich nicht glaube, dass v. W. seine glänzende Hypothese erwiesen hat, so kann ich doch ebensowenig die Gegengründe Kaibels durchschlagend finden; es scheint in der That sehr schwer, zn einem objectiven Ergebnis zu gelangen. Bei dem sehr ausführlichen Commentar springt vor Allem in die Augen die sorgfältige Darlegung des Zusammenhangs. Jede Scene und jede Replik wird genau auf ihr Verhältnis zur Umgebung geprüft; an vielen Stellen wird sogar fast bei jedem Wort nach der Absicht des Dichters geftragt. Dabei ist es nicht etwa blos auf die logische Verbindung abgesehen: auch das Ethos, die Stimmung wird überall berücksichtigt und ausführlich dargelegt. Der Commentar ist in diser Beziehung eine geradezu staunenswerthe Leistung zäher Energie und strenger Ehrlichkeit: an keiner Schwierigkeit wird vorbeigeschlichen, keine Frage wird umgangen; viele werden neu gestellt. Zu diesem Vorzug, der schon ganz allein dem Commentar einen hervorragenden Platz geben würde, kommt noch eine bedeutende Sprach- und Stilkenntnis : Parallele aus Homer, den Tragikern, Herodot und der attischen Prosa stehen Kaibel in grosser Fülle zu Gebote, und zwar solche, die aus keinem Hiülfsbuch zu entnehmen sind. Und diese echte Gelehrsamkeit wird nirgends dazu missbraucht, den Sophokles zu schulmeistern ; überall sucht K., seinem im Vorwort ausgesprochenen Grundsatz getreu, dem Dichter die Freiheit des Ausdrucks zu wahren. — In syntaktischen Dingen kommen einige Wunderlichkeiten vor, wie die Vertheidigung des ἐλάνϑανεν ohne ἄν 914, die an eine längst abgethane Behandlungsweise grammatischer Dinge erinnert. — Neben der grammatisch-stilistischen Erklärung tritt die sachliche (im engern Sinn) etwas in den Schatten. Es mag dies teilweise am Stoffe liegen; dennoch ist es wol nicht Zufall, wenn zu den wenigen Stellen, wo eine wirklich vorhandene

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