- Project Runeberg -  Nordisk tidskrift for filologi (og pædagogik) / Tredie række : Sjette bind /
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(1874-1922)
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Sophokles Elektra, erkl. von Kaibel. 103 tivirung ist aber schlecht: es würde unter keinen Umständen der Mutter einfallen, sich vor der Tochter, deren Standpunkt sie doch genügend kennt, zu rechtfertigen. Das konnte und musste sie gleich nach der That versuchen; jetzt, zehn Jahre nachher, ist es zu spät. Der Dichter aber will, dass die zwei Standpunkte in Rede und Gegenrede zum Ausdruck gelangen; daher die Scene. Natürlich leitet er sie so ein, dass man ein Bild von der Art bekommt, wie die Mutter und der Stiefvater die Tochter behandeln; und von da macht er mit grosser Kunst (aber ganz unpsychologisch) den Uebergang zur eigentlichen Rede. 519 f. οὐδὲν ἐντρέπηι ἐμοῦ γε καίτοι πολλὰ πρὸς πολλούς μὲ δὴ ἐξεῖπας ὡς ϑρασεῖα καὶ πέρα δίκης ἄρχω U. s. W.: «du die Tochter nimmst auf mich wenigstens deine Mutter natürlich keine Rücksicht; das ist unbillig, da du doch» vor allen Leuten mich verklagst, dass ich dich ohne Veranlassung misshandele (ich ergänze die Paraphrase in Kaibels Sinn). Es hat dies, so viel ich sehe, gar keinen Sinn. Kl. sagt: «sobald Aeg. fort ist, nimmst du auf mich keine Rücksicht; das beweist am besten, wie falsch deine Behauptungen von meiner tyrannischen Behandlung sind (ἄοχω ist mit Hermann = <herrsche» zu verstehen); vor mir hast du wahrlich keine Furcht». Nur so wird καίτοι begreiflich. — 525. πατὴρ γὰρ, οὐδὲν ἄλλο σοι πρόσχημ᾽ ἀεὶ ὡς ἐξ ἐμοῦ τέϑνηκεν: «πατήρ gehört eigentlich als Subject in den abhängigen Satz.» «Die Interpunction nach οὐδὲν ἄλλο setzt diese Worte dem πατήρ parallel, als ob Klyt. noch etwas anders getödtet hätte.» Allzu fein: das einfache Verständnis fordert πατήρ als Subject beider Sätze; ὡς ἐξ ἐμοῦ τέϑνηκεν ist nachträgliche Erläuterung dazu, womit οὐδὲν ἄλλο nicht das Geringste zu thun hat. (Gleich danach ist 527 τῶνδ᾽ ἄονησις οὐκ ἔνεστί μοι und damit das folgende γάρ fein und richtig erklärt; ebenso 531 die Bedeutung von τὴν σὴν ὅμαιμον richtig hervorgehoben.) — 532 f. soll die «mühsamere Satzbildung empfinden lassen, dass der Mutter die Erörterung der Tochter gegeniüber peinlich ist.» Derartige Erörterungen natürlicher Dinge waren den Griechen überhaupt nicht «peinlich»; sollten es auch nicht sein. Dagegen kommen mühsame Satzbildungen bei Sophokles auch ohne besondere Veranlassung oft genug vor. 558 ff. Das überlieferte λέξω, wofür man (mit Recht) δείξω eingesetzt hat. wird durch eine künstliche und zum Theil unverständliche Erklärung vertheidigt. Was dabei herauskommt, ist ausserdem «mit vornehmer Keuschheit» gesagt. Die vornehme Keuschheit der Blectra besteht sonst darin, dass sie die Sachen geredet haben als in den Choephoren». Wenn jene Worte mehr als eine gleichgültige Redensart sind, so enthalten sie zur Charakterisirung von Orests Stimmung gar nichts, sondern sind nur ein Ausdrück dafür, dass Sophokles auf die weitern Folgen der That einzugehen ablehnt. <«Nagender Gewissenszweifel» wird in der Tragödie deutlicher bezeichnet.

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