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122 J. L. Heiberg: Anm. af
Rhetorik abzuleiten in Frage gestellt wird. Ist das Wesen des
Asianismus durch die Aehnlichkeit mit Gorgias erschöpft, oder
haben sie etwas neues hinzugethan? Wenn dies doch sicherlich
der Fall ist, wo stammt denn das neue her und worin bestand
es? Das ist viel wichtiger, als dass die Asianer u. a. auch die
alten Redefiguren benutzt haben, aber freilich bei der
mangelhaften Ueberlieferung schwer zu beantworten.
Ganz anders liegt die Sache bei dem Bindringen des
Asianismus in Rom. Hier ist der Faden ganz deutlich, und zwar
nicht nur wegen der grösseren Reichlichkeit der Qnellen, sondern
namentlich, weil hier keine Neuschöpfung vorliegt, sondern eine
directe Uebernahme und Nachahmung. Die Hauptsachen sind
aber längst Gemeingut der Wissenschaft, so dass hier wesentlich
neues nicht zu sagen war, so wenig wie von der zweiten
Sophistik, wo übrigens die sich kreuzenden Strömungen gut dargestellt
sind. Die griechische Herkunft des sogenannten sermo Africus,
worauf u. ἃ. schon Mommsen kurz hingewiesen hat, wird
ausführlich und siegreich verfochten; das ist wieder einfache und
directe Uebertragung.
Der Abschnitt über die christliche Litteratur enthält viel
interessantes, z. B. die Zusammenstellung S. 486 ff., woraus man
sieht, wie Lukas den andern Synoptikern gegenüber sich einer
relativ <«classischen» Sprache befleissigt, und die Charakteristik
der Predigtlitteratur des 4. Jahrhunderts S. 550 ff. (die völlig
unklare Bemerkung S. 452 von der christlichen Periode als «ohne
Zusammenhang mit der vorigen» wird durch die Ausführungen
S. 466 ff. auf ein richtigeres Maass herabgestimmt, aber klar ist
der Standpunkt des Verfassers dem Christenthum gegenüber
keineswegs). Vom Mittelalter hingegen, womit der Verfasser sich nur
mit Widerwillen beschäftigt hat (S. 660), erhalten wir nur eine
ziemlich zufällige Materialsammlung zur Geschichte des Nachlebens
der Antike, und darauf hin werden S. 748 die Vertreter der
classicistischen Richtung kurzer Hand als Reactionäre verurtheilt.
Als ob die Manieristen nicht ebenso sehr ihre Sprache durch
«Nachahmung» ausgebildet haben, nämlich der dem Mittelalter
vertrauteren spätlateinischen Schriftsteller. Statt dieser
geschmackvollere Muster zu suchen ist doch an und fär sich weder
unverständig noch unpraktisch; vom Uebel ist nur die Uebertreibung.
Genau dieselbe Unklarheit findet sich in dem Urtheil des
Verfassers über den Atticismus. Natürlich ist die sklavische und
pedantische Nachahmung verwerflich, wie S. 809 richtig entwickelt
wird (wo aber unbegreiflicher Weise Cicero als Muster der
richtigen Vermittlung hingestellt wird; er hätte doch zu seinem
Vortheil manch <asianische» Blume ungepflückt gelassen); aber es
giebt doch auch eine vernünftige Art einer verkehrten
Moderichtung entgegenzuwirken durch Hinweis auf Muster eines besseren
Geschmacks. Zwar scheint der Verf. nach S. 151 nur die zwei
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Project Runeberg, Wed Jun 17 12:16:29 2026
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