Full resolution (TIFF) - On this page / på denna sida - Häfte 8 - Helmuth Duve. Die freie Schulgemeinde als Erziehungsideal
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HELMUTH DUVE
brauchen sie weder vom lebendigen Gehalt der Persönlichkeit
berührt noch von ihm ganz erfüllt werden. Die Freiheit des
Einzelnen ist hier nur beschränkt durch die Rücksichtnahme
auf die Gesamtheit, innerhalb welcher der Mensch so zu
handeln verpflichtet ist, wie er selbst von Seinesgleichen
behandelt zu werden wünscht. Im Kreise der freien
Schulgemeinde aber herrscht an Stelle eines solch formalen Ethos,
welches äusserlich in Gestalt eines Gesetzes auftritt, die Macht
des aus der organischen Natur erwachsenden Geistes, der
Triumph des Menschen an sich als Inhalt der
Lebensgestaltung. Statt formaler Konventionen gelten organische
Traditionen, deren Träger Persönlichkeiten sind. Damit ist durchaus
nicht schrankenlose Willkür der Individuen gemeint, die
mancher Freiheit zu nennen wagt. Das hiesse den Sinn dieses
Erziehungsprinzips völlig missverstehen. Im Gegenteil:
Selbsterkenntnis und tiefe Einsicht in den Zusammenhang des
Lebens fordern freiwillige Einschränkung der Freiheit durch
Gesetze, die Menschen nur aus aristokratischer Gesinnung
und aus sozialem Gewissen heraus, freudig sich auferlegen.
An diesem Punkte wird es deutlich, wie viel ankommt auf
den moralischen und intellektuellen Wert derer, die zu Führern
berufen sind. Der konservative Charakter dieses
Erziehungsideals tritt hier deutlich hervor, und den Schülern erwächst
jene natürliche Bescheidenheit, die das Selbstbewusstsein
sinnvoll ergänzt. Unter Selbstbewusstsein versteht man
nicht den Anspruch auf eine äusserlich überragende
Machtstellung anderen Menschen gegenüber, sondern geradezu den
freiwillig freudigen Verzicht auf die Forderung der
Subordination oder, positiv ausgedrückt, man versteht darunter das
unbeugsame zuversichtliche Gefühl des eigenen Wertes als
Triebkraft zum gemeinschaftlichen Werk. Um ihre Führer
geschart, entstehen Gruppen solcher, die gleichgesinnt sind
bezw. einander ergänzen, verschiedene Kreise, die jeweils
eine typische Geisteshaltung in sich verkörpern und wiederum
den einer solchen Erziehungsgemeinschaft immanenten
Grundtypus mit entwickeln helfen.
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