- Project Runeberg -  Samlaren / Trettionionde årgången. 1918 /
98

(1880-1935)
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Full resolution (TIFF) - On this page / på denna sida - Atterboms bref till Schelling. Meddelade af Ruben G:son Berg.

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98 Kuben G:son Berg

Ihr letztes Schreiben an mich, datirt Franzéns-Brunnen in Böhmen
d. 19 Aug. 1819, kam ziemlich spät in meine Hände. Jedoch hatt’ ich es
weit früher beantworten können und sollen, wenn ich nicht bei dessen
Emp-fang mit der Ausgabe eines poetischen Taschenbuclis beschäftigt gewesen
ware, das kurz darauf die Presse verlassen sollte; und baid nachher
zer-streute mich eine Lustreise aufs Land in den Weihnachts-Tagen, so wie
gleich darauf die Veränderung meines Wohnorts, der jezt auf noch
unbe-stimmte Zeit von Upsala nach Stockholm versetzt geworden ist. Sie haben
vielleicht aus dem Hamburger Correspondenten vernommen, dass unser
Kron-prinz in Upsala den vorigen Herbst zugebracht; dort alle Menschen entzückt
(was wirklich ivalir ist), Vo riesungen fleissig gehört und besucht, und ein en
Cursus in der schönen Literatur der Deutschen unter meiner Leitung
angefangen. Dieses Studium setzt er auch Mer fort, und hat mich deswegen
hieher berufen. Er hat eine gewandte Sprachfähigkeit und viel poetisches
Gefühl. Wir haben in kurzer Zeit die meisten Schiller’schen Trauerspiele
durchgelesen, unter denen er Wallenstein und Tell am meisten schätzt.
Dass er Schiller dem Goethe vorzieht, dessen Egmont er doch sehr lieb
genommen hat, mag man ja leicht einem jungen Fursten verzeihen, den
nattirlicherweise grosse Staats-Actionen, kriegerische Gesinnungen und
poli-tische Grundsätze mehr interessiren als die blosse reine Poesie an sich.
Nachher will ich seine Aufmerksamkeit zur Bühne des gewaltigen
Shakspeare hinlenken, und ihm in der schönen Schlegerschen Übersetzung
be-sonders die rein historischen Trauerspiele mittheilen, die wahre
Fürsten-spiegel zu nennen sind. Den Sigurd Schlangentödter von Fouqué will ich
ihm auch nächstens vorlesen, weil die zierliche Behandlung, die übrigens
dem Stoff nach sich sehr treu an die alte Skandinavische Sage anschliesst,
mir geeignet scheint ihm lockend die freundlichste Seite zu zeigen von der
heilig-schauerlichen Gemüthstiefe des Ländes und des Volkes, die er zu
be-herrschen bestimmt ist. Yon der Existenz jener Tiefe ahndet man freilich
bier in der Haupstadt sehr wenig, und Sie können sich leichtlich denken,
wie die alten Perücken über mem Verhältniss zum Kronprinzen ihre Köpfe
schütteln. Da der König aber still schweigt und seinen Sohn lesen und
treiben lässt wras er will — dem Yater ist wohl im Grunde wenig dran
gelegen ob man die Französischen Tragiker u. s. w. respectirt oder nicht,
wenn man ihm nur nicht politische Kreuzsprünge macht ■— so sehen sie
die Bekehrung des Prinzen zur Schwärmerey als entschieden an und damit
das läng gefürclitete Jahrhundert der durch mich und meine Freunde auf
die Bahn gebrachten ästhetischen Barbarei und Schellingischen Mystik als
leider! angefangen. —

Man muss dem Prinzen Oscar übrigens innig gut werden, wenn man

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