- Project Runeberg -  Schweden : historisch-statistisches Handbuch / Erster Teil : Land und Volk /
208

(1913) [MARC] Author: Joseph Guinchard
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - II. Das schwedische Volk - 3. Volkscharakter und soziale Verhältnisse. Von [G. Sundbärg] J. Asproth - Wohnungen. Von [F. Sundbärg] Carl G. Bergsten

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208 II. DAS SCHWEDISCHE VOLK.

einem (in günstigeren Fällen zwei) Zimmern und Küche begnügen. Wohnungen von
zwei Zimmern und Küche werden allerdings immer weniger selten, wenigstens
wo die Mieten nicht allzu hoch sind. Oft wird dann jedoch das eine Zimmer
an Junggesellen vermietet; ja, auch Wohnungen von einem Zimmer und Küche
müssen manchmal, besonders in Stockholm und anderen grösseren Städten, mit
einem Aftermieter, sog. Schlafburschen (»inneboende»), geteilt werden. (Über die
Tätigkeit zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse der Arbeiter, die von
Wohnungsvereinen und von Industriellen ausgeübt wird, berichtet ein anderes
Kapitel dieser Arbeit.) Der Mittelstand in den Städten bewohnt Wohnungen von 3,

4 bis 5 Zimmern und Küche. Häuser mit Mietswohnungen von 6—8 oder
mehr Zimmern kommen ziemlich allgemein vor und werden nunmehr mit recht
grossem Komfort, oftmals luxuriös, bisweilen mit gediegener Architektur
eingerichtet. Natürlicher Stein, Granit, Kalk- und Sandstein verschiedener Art, an
denen das Land reich ist, wie auch in letzter Zeit Fassadenziegel kommen dabei
oft zur Verwendung.

Als eine Äusserung der die Schweden kennzeichnenden Liebe zur Natur kann
die allgemeine Sitte der Städter betrachtet werden, den Sommer auf dem Lande
zuzubringen. Davon zeugt die Menge der leicht gebauten Sommervillen, die die
Umgebungen der Städte erfüllen, und die besonders so charakteristisch für die
Schärenflur vor Stockholm sind — sowohl die äussere, nach der See zu, als die
innere, in den vorderen Teilen des Mälarsees.

Spätere Zeiten sind mehr und mehr zur Einsicht gekommen, welche
Mängel den alten Regulierungsplänen und der Bauordnung von 1874
anhaften. Mit aller Deutlichkeit haben sie in den verflossenen Jahren
gezeigt, dass das Wohnungsproblem in städtischen Gemeinwesen sich
nicht unter eine Schablone und ein paar allgemeingiltige Regeln bringen
lässt, sondern aus einer Menge verschiedener Faktoren zusammengesetzt
ist, und Sache der modernen Stadtplankunst1 ist es, diese Faktoren
klarzustellen und zu berücksichtigen, bevor ein Gebiet zur Bebauung
freigegeben wird.

Leider haben die Regulierungen bereits in so gut wie in allen
schwedischen Städten unheilbaren Schaden anrichten können. Es ist nichts
Ungewöhnliches, nunmehr in den kleineren Städten das moderne Haus mit

5 Stockwerken dicht neben dem 1- oder 2-stöckigen Haus einer älteren
Generation zu sehen, und zwar in Städten, deren Einwohnerzahl eine
solche Bauweise durchaus nicht rechtfertigt. Die Folge dieses
Verfahrens hat sich auch in einer Steigerung der Baugrundpreise gezeigt, die
ihrerseits den Bau von anderen Wohnhäusern als hohen Mietskasernen
ökonomisch unmöglich gemacht hat. Eine Rückkehr zu gesunden
normalen Verhältnissen ist auf diese Weise unmöglich ohne eine
gewaltsame Umgestaltung der Ginndstückswerte. Die in Ausarbeitung
befindliche neue Bauordnung für die Städte des Reichs versucht durch eine
Einteilung der Städte in verschiedene Gruppen rücksichtlich der
höchsten zulässigen Gebäudehölle diesen Übelständen zu steuern.

1 Die grösseren Städte haben sich permanente Amter, die unter künstlerischer Leitung
arbeiten, zur Berücksichtigung der Anforderungen des Stadtplans geschaffen, Stockholm in
der im Jahre 1909 eingesetzten Stadtpinnkommission. Schweden besitzt eine völlig
moderne Gesetzgebung in dem Stadtplani/esetz von 1907.

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