Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - III. Staatsverfassung und Verwaltung. Einl. von E. Hildebrand - 3. Kommunalverwaltung. Einl. von G. A. Aldén - Armenpflege. Von Agda Montelius
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ARMENPFLEGE.
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sie als Säuglinge wie in vorgeschrittenem Alter vor allen anderen bedürfen.
Durch Kleinhinderheime, wo Mutter und Kind gemeinsam während der
Stillzeit aufgenommen werden, Säuglingsheime, Milchküchen, Krippen,
Bekleidungsund Bespeisungsvereine, Ferienkolonien, Krankenhäuser, Genesungsheime oder sog.
Kinderasyle u. a. Anstalten suchte man den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu
werden, wo nicht eine vollständige Obhut nötig war. Für solche Kinder
wurden im ganzen Lande zahlreiche grössere und kleinere Kinderheime errichtet.
Dass den Kindern, wenn sie etwas älter und denkfähiger geworden sind, die
Hilfe unter Formen gewährt werden muss, die ihre Selbsttätigkeit anregen und
ihnen Arbeitsfähigkeit und Arbeitsfreude verleihen, hat sich immer deutlicher
gezeigt, und die Arbeitsstuben, die sich dies zur Aufgabe gemacht haben, haben
im ganzen Lande Verbreitung gefunden. Dasselbe Ziel verfolgen
Hausmutterschulen, Haushaltungsschulen und sog. Heimschulen auf dem Lande.
Neben derartigen Einrichtungen für besondere Fälle von Hilfsbedürftigkeit
hat man eine lebhafte Tätigkeit entfaltet zur Ermutigung, Beratung und
allgemeinen Wiederaufrichtung der von der Last der Armut Gebeugten. Das
geschieht durch Wohltätigkeitsvereine, Frauenvereine und andere an den
verschiedenen Orten arbeitende Vereinigungen innerhalb der wirtschaftlich besser
gestellten Klassen, deren Mitglieder sich der Aufgabe unterziehen, sich den
Unglücklichen verständnisvoll zu nähern und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Eine Gruppe für sich bilden die Vereine mit wesentlich geistlich
missionierenden Zielen, wie die verschiedenen Arten von Missionsvereinen. Ein Teil von
ihnen befasst sich auch mit der Ausbildung missionierender Arbeiter für die
Notleidenden, so das Diakonissenhaus — mit einer neu gegründeten Filiale in
Härnösand — und das Diakonenheim, Elsa Borgs Bibel-Frauenheim in
Stockholm, das Samariterheim in Uppsala, die Heilsarmee u. a. m. Alle diese haben
sich bei ihrer Arbeit vor die Notwendigkeit gestellt gesehen, auch körperlich für
die zu sorgen, auf die sie mit ihrer geistlichen Tätigkeit einwirken wollen;
denn vor Obdachlosen, Hungernden und Frierenden kann man nicht predigen.
Und so wurden wieder verschiedene Anstalten ins Leben gerufen, u. a. auch
zur Ausbildung von Hilfskräften.
All die viele Arbeit, die so für die Notleidenden geleistet wurde, ohne dass
der eine Helfer etwas von den Massnahmen des andern wusste, verleitete die
minder Gewissenhaften zum Missbrauch des Wohlwollens, und in den grösseren
Städten kam es häufig vor, dass ein und dieselbe Person von der öffentlichen
Armenpflege und von mehreren Wohltätigkeitsvereinen unterstützt wurde. So
wurde eine unbewusste Verschwendung mit den Hilfsmitteln zum Schaden der
wirklich Hilfsbedürftigen getrieben, und, was noch schlimmer war, es wurde
unter solchen Umständen keinem Notleidenden dauernd und in zielbewusster
Weise geholfen, denn ein Helfer riss, ohne es zu wissen, nieder, was der andere
aufgebaut hatte.
Im Jahre 1889 wurde in Stockholm nach dem Muster der Charity Organisation
in London der Verein zur Regelung der Wohltätigkeit (F. V. O.) gegründet. Dieser
soll, unabhängig von religiösen und politischen Meinungsverschiedenheiten, in der
Hauptstadt für ein geordnetes Zusammenarbeiten zwischen wohltätigen
Privatpersonen, privaten Stiftungen und Vereinen und der öffentlichen Armenpflege
wirken und so unter gleichzeitiger Bekämpfung der Bettelei alle verfügbaren
Kräfte sammeln und ordnen; so will man durch einheitliche planmässige Arbeit
die Lage der Hilfsbedürftigen dauernd bessern. Den Treffpunkt aller derer, die
sich für eine derartige Arbeit interessieren und an ihr beteiligen wollen, bildet
das Zentralbureau des Vereins, wohin sich auch Hilfsbedürftige wenden. Die
Mitglieder des Vereins weisen dorthin auch alle ihnen unbekannten
Hilfesuchenden. Dort werden dann Auskünfte über ihre Verhältnisse und über die beste
Art, ihnen zu helfen, eingeholt.
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