- Project Runeberg -  Schweden : historisch-statistisches Handbuch / Erster Teil : Land und Volk /
378

(1913) [MARC] Author: Joseph Guinchard
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Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - IV. Unterrichtswesen und geistige Kultur. Einl. von P. E. Lindström

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378 IV. DAS UNTERRICIITSWESEN UND DIE GEISTIGE KULTUR.

Befugnisse der Domkapitel bezüglich dieser Schulen eine höchst wesentliche
Beschränkung erfuhren. Im Jahre 1913 wurde dann ferner eine besondere
Zentraldirektion für das Volksschulwesen eingerichtet, wodurch auch die hierhergehörigen
Anstalten unter sachverständige Laienleitung gestellt wurden.

In älteren Zeiten war der öffentliche Unterricht in erster Linie für die
Ausbildung von Geistlichen und Beamten sowie überhaupt dazu bestimmt,
dem Bildungsbedürfnis der höheren Klassen entgegenzukommen. Die
Frage der Organisation der Gelehrtenschule war damals das wichtigste
Unterrichtsproblem. In dem Masse, wie der Gemeingeist demokratisiert
worden ist und der Einfluss der breiteren Volksschichten auf die Leitung
der Angelegenheiten des Landes zugenommen hat, hat sich auch die
staatliche Fürsorge für den Unterricht über das weite Gebiet der allgemeinen
Volksbildung ausgedehnt. Die grosse Mehrzahl des schwedischen Volkes
in grösserem Umfange an den Vorteilen der Bildung teilnehmen zu lassen,
geht als Glied in das allgemeine soziale Bestreben ein, es in
wirtschaftlicher, moralischer und intellektueller Beziehung auf eine höhere Stufe
zu heben. Vieles ist in dieser Hinsicht getan worden, und das allgemeine
Bildungsniveau darf wohl in Schweden als hoch bezeichnet werden. Auf
dem so eingeschlagenen Wege unter gebührender Berücksichtigung der
Interessen der höheren Bildung fortzuschreiten, dürfte die Richtschnur
für die schwedische Unterrichtspolitik der künftigen Zeit abgeben.

In alter Zeit lag der Familie ein bedeutender Anteil an der Erziehung
der Kinder ob, als diese unter Arbeitsgemeinschaft mit den Eltern
aufwuchsen. Veränderungen der Gesellschaftsverhältnisse, wie sie eine Folge
des Industrialismus und des Überganges der Industrie zum Grossbetrieb
sind, haben es mit sich gebracht, dass die erzieherische Bedeutung der
Familie abgenommen hat und die Ansprüche an die erzieherische
Tätigkeit der Schule in cnlsprechendem Grade gestiegen sind. Das
Schulwesen so umzugestalten und zu erweitern, dass die Schule diesen neuen
Anforderungen genügt, dürfte eine der wichtigsten Aufgaben der Zukunft
auf dem Gebiete des Unterrichts sein.

Der Unterricht war in älteren Zeiten wesentlich auf Auswendiglernen
und Buchlektüre gegründet und hatte im ganzen einen abstrakten und
formalistischen Charakter. Der Realismus, der so viele andere
Kulturgebiete durchdrungen, hat auch hierin zu einem Durchbruch insofern
geführt, als der Unterricht nunmehr in höherem Grade auf Selbsttätigkeit,
auf Beobachtung und konkrete praktische Anwendung eingestellt wird.
Diese Umgestaltung ist charakteristisch für allen Unterricht in Schweden,
für den allgemeinen wie für den Fachunterricht, für den niedrigsten
Unterricht wie für den höchsten. Es dürfte anzunehmen sein, dass die
Reformbestrebungen in Zukunft auf eine fortgesetzte Entwicklung in derselben
Richtung ausgehen werden, und dass dieser Weg es ist, auf dem die
vielgestaltige Forderung nach einem praktischen Unterricht Erfüllung finden
wird, soweit diese Forderung Erfüllung finden kann und muss.

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