Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - IV. Unterrichtswesen und geistige Kultur. Einl. von P. E. Lindström - 5. Das schwedische Turnen. Einl. von N. Sellén
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DAS SCHWEDISCHE TURNEN.
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durchgemacht ist, sollen Herztätigkeit und Atmung kräftig und tief, aber ruhig
sein.
Da die Übungen, derart angeordnet, der Veranlagung jedes einzelnen
entsprechen, erziehen sie auch zur Selbstbeherrschung, d. h. zum Gleichgewicht
zwischen Nerventätigkeit und Tatkraft. Und da hierbei die Bewegungswerkzeuge,
das Skelett wie die Bänder und Muskeln, beständig die wirkenden Mittel sind,
die von selbst nichts auszurichten vermögen, sondern durch den Einfluss der
Nerven wirken, so ist es klar, dass die Ausbildung eines ruhigen, sich gleich
bleibenden und in richtigem Masse herrschenden Nervensystems eine der
wichtigsten Aufgaben des Turnens ist. Wirkung und Gegenwirkung ist das
Naturgesetz, das sich hier geltend macht. Schon Ling sagte: »Die Muskelkraft oder
Spannkraft steht also in ununterbrochener Verbindung mit den Gefässen und
Nerven, weshalb diese gleichzeitig mit den Muskeln ausgebildet werden.»
Unter den mannigfachen Bewegungen, deren sich die Turnkunst bedient,
befindet sich auch eine grosse Anzahl ungewandter Übungen; diese sowohl wie
die Übungen in ihrer Gesamtheit haben zur Folge, dass in dem Grade, wie
die Wahl der Bewegungen in vernünftiger Weise und in Übereinstimmung mit
dem Bedürfnis des Organismus erfolgt, auch — soweit die persönliche Veranlagung
es zulässt — Gesundheit, Kraft und solche Fertigkeiten gewonnen werden, die
der Kulturmensch braucht, um die Aufgaben zu bewältigen, vor die ihn das
öffentliche Leben stellt. Ling schrieb auch in voller Übereinstimmung mit seiner
ganzen Anschauung vor, dass Turnspiele das mehr formale und systematische
Turnen ergänzen sollen, indem er der Meinung war, dass »das Element der
Freude alles durchströmen soll». Er warnt jedoch vor jeglicher Übertreibung,
indem er an die Verschiedenheit der menschlichen Anlagen erinnert, mit den
Worten: »Deshalb bildet all dies übermässige Wetteifern, das man bei Turnern
findet, ein Hindernis für die wahre Entwicklung und führt zu einseitiger
Fertigkeit oder Ungleichstimmigkeit.» — Dieses ganze Turnsystem ist wahrhaft
demokratisch im vollsten und besten Sinne des Wortes. Es ist ebenso
anwendbar und beinahe ebenso zugänglich für den Armen wie für den Reichen, für
den Schwachen wie für den Kräftigen, für das weibliche Geschlecht wie für
das männliche.
Die Aufgabe des Schulturnens ist, die Gesundheit zu fördern und den Körper
zum gehorsamen, unerschrockenen und allzeit bereiten Werkzeug des sittlichen
Willens zu machen. Wie die geistige Erziehung in erster Linie darauf angelegt
sein soll, die guten seelischen Triebe zu entwickeln und die bösen ihnen
unterzuordnen, so soll die körperliche durch geeignete Übungen Harmonie oder
Gleichstimmigkeit zwischen den körperlichen Fähigkeiten schaffen, während
Fehler und Schwächen beseitigt und an der Entwicklung gehindert werden.
Das Schulturnen schliesst somit ein rein korrektives Element in sich.
Das Militärturnen (Fechten) stützt sich auf das Schulturnen; es erstrebt die
Entwicklung der vorhandenen Kräfte zu Festigkeit, Gewantheit und Ausdauer
und soll sich in seinen Bewegungsformen sowohl auf mechanische wie auf
turnerische Gesetze gründen.
Lings Hoffnungen auf das Gymnastische Zentralinstitut verwirklichen
sich stetig und sicher. Das Institut hat sich während der hundert Jahre
seines Bestehens bedeutend entwickelt. Die Turnlehrkräfte sämtlicher
Erziehungsanstalten des Landes, auch der militärischen, erhalten daselbst
ihre Ausbildung. Das Institut hat einen einjährigen, einen zweijährigen
und einen dreijährigen Kursus für Männer und einen zweijährigen Kursus
für Frauen. Die einzelnen Jahrgänge der drei erstgenannten Kurse folgen
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