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(177
man eine Suspension sehr kleiner Tröpfchen einer schwach
liehl-brechenden Substanz in der stärker lichtbrechenden
Kerngrundflüssigkeit.’ Diese Substanz bildet im Ruhekern ein Waben- oder
Netzwerk und scheint durch Verschmelzung der Tröpfchen etc. in
das Spirem und die Chromosomen überzugeben.
In den fixierten Präparaten sieht man freilich eine stark färbbare
Substanz, die ini Ruhekern Klumpen und Fäden (Körner) bildet,
und eine schwächer färbbare, die in feinen Gerüsten oder Schollen
vorkommt. Die erstgenannte Substanz entspricht im allgemeinen
der im Leben sichtbaren, suspendierten Substanz, die letztere kann
sowohl präformiert, wenngleich unsichtbar, aus der homogenen
Kernflüssigkeit ausgefällt oder eine durch die Fixierung geschaffene
Modiiikation der erstgenannten Substanz sein. Wegen der immer
bei der Fixierung eintretenden Alterierung des Baues des ruhenden
Kerns lässt sich vorläufig nichts Entscheidendes hierüber sagen.
Die morphologische Zytologie hat sich aber nicht mit solchen
unsicheren Sachen zu beschäftigen. Ich nenne daher vorläufig
diejenige Substanz des Kerns, die in der Ruhe in dem Kernsaft
suspendiert ist, und die sich morphologisch zu den Chromosomen
entwickelt, einfach Gerüstsubstanz oder Karyotin.’ Ich gebe also,
somen) nicht chemisch identisch mit den Chromosomen der Metaphase sind. Seine
Versuche beweisen jedocli nur eine physikalische Unähnlichkeit. Allerdings ist es
möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass in der betreffenden Substanz langsame
chemische Prozesse stattfinden, dies hat aber nichts mit der morphologischen Genese
der Chromosomen zu tun (man verstehe mich recht: wir können die Morphogenese
der Chromosomen verfolgen, ohne etwas von den chemischen Veränderungen zu
wissen), lässt aber andererseits das Bedürfnis nach einem rein morphologischen
Terminus um so fühlbarer hervortreten.
1 Die Lichtbrechungsverhältnisse sind bei verschiedenen Objekten verschieden.
2 Tellyesniczky vertritt die Ansicht, dass die Ruhekernstrukturen in der Prophase
aufgelöst werden, worauf die Chromosomen de novo auftauchen. Kr vertritt also
eine Epigenese der Chromosomen. Seine Ansichten sind aber meines Wissens von
anderen Forschern nicht bestätigt worden. Ebensowenig konnte icli etwas
Ähnliches bei nieinen Objekten beobachten.
3 Letztere Benennung ist vielleicht nicht unanfechtbar aus dem Grunde, weil
das wörtlich gleichbedeutende Nuklein, das von ,1. Sachs in seinen »Vorlesungen
über Pflanzenphysiologie» im obigen Sinn empfohlen wurde, leider von chemischer
Seite aufgenommen wurde, um ein Spaltungsprodukt der Nukleoproteiden zu
bezeichnen. — Tellyesniczky Ruhekern und Mitose; Archiv f. mikr. Anatomie,
1905) schlägt das Wort Nukleokrystallin vor, welches jedoch, abgesehen davon,
dass wir den morphologischen Befunden dieses Autors nicht beitreten können, das
gegen sicli hat, dass die Veränderungen der Gerüstsubstanz sich nicht mit der An
nähme einer kristallinischen (selbst nicht einer >flüssig kristallinischen») Struktur
derselben vereinigen lassen.
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