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DER ROLLSTEMPEL UND SEINE INITIALEN 33
gepresst ist, bis er einen kontinuierlichen Rahmen um den ganzen
Buchdeckel herum bildete. Bevorzugt wurden dafür Stempel mit der Darstellung
pflanzlicher Motive: Zweige und Blätter, die sich um einen festeren Stengel
schlangen (Laubstab), oder Blattwerk, das sich in Windungen abwechselnd
nach rechts und links von einem feineren, gewundenen Stengel abzweigt.
Es kann nun doch wohl nicht gut ein blosser Zufall sein, dass wir genau
denselben Motiven auf zahllosen Einbänden begegnen, die im Anfang des
XVI. Jahrhunderts, sei es in Nürnberg selbst, sei es in anderen Städten des
Frankenlandes hergestellt sind, aber nicht mehr mit Hilfe einzelner Stempel
sondern mit Hilfe der Buchbinderrolle. Hier haben wir eine kontinuierliche
und bodenständige Entwickelung, die einen unmittelbaren Zusammenhang
zwischen dem Einzelstempel und der Rolle erkennen lässt. Ich möchte
deshalb glauben, dass die Erfindung der Buchbinderrolle nicht sowohl am
Niederrhein, sondern vielmehr im Fränkischen, vielleicht in Nürnberg selbst
erfolgt ist, und dass sie nur eine technische Fortbildung einer in dieser
Gegend schon seit langem geübten Art des Buchschmucks gewesen ist.
Nächst den Rollen mit diesen dem Pflanzengebiete entnommenen
Darstellungen halte ich für die ältesten die Rollen, auf denen eine Jagdszene
zu erkennen ist. Aber während die Pflanzenrollen noch, wie die
Einzelstempel, sehr oft nicht nur zur Einfassung des Deckels verwendet wurden,
sondern vielfach überhaupt die ganze Dekoration des Bucheinbandes durch
Wiederholung in parallelen Reihen bestritten haben, sind diese Jagdszenen
fast stets nur auf eine einmalige Abrollung als einfacher Rahmen
beschränkt. Bot die grosse Mannigfaltigkeit der Blumen und Blätter die
Möglichkeit, bei aller Übereinstimmung in der Wahl und in der Anordnung der
Motive immerhin noch eine reichliche Abwechslung walten zu lassen, so
weisen dagegen die Jagdszenen eine beinahe ermüdende Übereinstimmung
in der Darstellung auf. Auch hier sind uns die dargestellten Gegenstände
von den Einzelstempeln durchaus geläufig. Der Hirsch, die Hirschkuh oder
das Reh, der Hase und das fabelhafte Einhorn bilden bereits in dem
Formenschatze der mit Einzelstempeln arbeitenden Buchbinder einen wesentlichen
Bestandteil. Es hat auch schon unter diesen nicht ganz an Versuchen
gefehlt, mehrere solcher Figuren zu einer Gruppe zu vereinigen. Auch die
Jagdszene wächst also gewissermassen aus dem Ideenschatze heraus, der dem
für den Bucheinband arbeitenden Stempelschneider schon seit langem geläufig
war. Nun darf man sich freilich dadurch, dass wir solchen Jagdszenen
besonders häufig auf Bänden begegnen, in denen neben der Rolle auch der
Einzelstempel noch eine Rolle spielt und die wir deshalb gern dem Anfang
3 — 2471. Nord, tidskr. fôr bok- och biblioteksväsen 1924.
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