Full resolution (JPEG) - On this page / på denna sida - John Loewenthal, Zur germanischen Wortkunde (Forts.) - 50. an. Baldr - 51. an. Hønir
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98 Loewenthal: Zur germanischen Wortkunde.
ahd. Phol, ags. Pol, Beinamen des Gottes Balder, die laut-
lich ebensowohl zu ai. bala- ”weiss” wie zu let. bu’Is ”dun-
stige, schwüle Luft, Höhenrauch, Dürre” gehören können,
doch eher zu let. bu’Is zu stellen *).
Was die Wortbildung anlangt, so wäre zu bemerken,
dass an. Baldr eine -iro-Bildung zu dem in an. bäl, ags.
bæl ”Scheiterhaufen, Feuer” abgelautet vorliegendem Stamme
ist; vgl. gr. ôcutqôÇ
j &jTQÔ£, ai. vrtrá-s ”Feind”, putrá-s
”Sohn”. Nach Brugmann sind alle diese maskulinen -tro-
Bildungen ursprüngliche Neutra *); in unserem Falle wäre
also als Grundbedeutung ”Hitze, Licht, Sommer” anzusetzen.
Die Anschauung, dass Balder ein Gott des Sommers
wäre, ist mit der von Axel Olrik, der zufolge Balder, dem
slavischen Jarilo d. i. ”Früjahrsmann” entsprechend, ein Ve-
getationsgott wäre, im besten Einklänge: der Sommer ist
der Geist der Sommerblumen3).
51. an. Bønir.
Der Name des altnordischen Wolkengottes Bønir ist
bislang noch nicht befriedigend erklärt worden. Der Um-
stand, dass Bønir allem Anscheine nach schwanengestaltig
war, beweist für die Etymologie des Namens nichts.
An. Bønir kann auf germ. *könjiz, idg. *köuniio-s zu-
rückgehen. Idg. *Jcöunio-s seinerseits ist mit Hülfe des jo-
Formans von *houno-s abgeleitet. Dieses steht zu dem
Grundwort von lit. sziaurys ”Nordwind”, lat. caurus ”Nord-
ostwind” abgesehen vom Ablaut im selben Verhältnis wie ai.
árjuna-s ”weiss” zu gr. dgyvQog, wie let. slaune ”gefleckte
Kuh” zu let. slaure ”gefleckte Kuh” 4), wie lat. planus zu
ir. lär ”der Erdboden” (*pläro-s): wie lit. unksnà ”Schatten”
zu lat. umbra (*unksra) 5).
*) diese Ztschrift. a) Grdr.2 2, 1 p. 345. *) Danmarks Heltedigtning,
II pp. 258, 261. *) W. Schulze, Etymologisches 19 Sb. d. Kgl. Pr. A. d.
Wiss. 39 [1910] p. 794. 5) Walde, Lat. Et. Wb.a s. v.
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